Französische Literatur

Das Hochzeitsmahl, Pieter Bruegel der Ältere, 1568. Kunsthistorisches Museum, Wien.

« Auf den Wein, Freunde! Kinder, trinkt mit vollen Bechern! Wenn er euch nicht schmeckt, lasst ihn stehen. »

Drittes Buch, Prolog

Lachen

Mit Rabelais hält das Lachen triumphal Einzug in die Literatur. Es ist vor allem Ausdruck einer unbändigen Lebensfreude – das Lachen eines Neugeborenen, die Freude am Körper, oft derb, unverschämt und von fröhlicher Derbheit:

Hör mal, du kleiner Hoden. Hast du je die Kutte des Mönchs von Castres gesehen? Sobald man sie irgendwo hinlegte – offen sichtbar oder gut versteckt –, brachte ihre schreckenerregende Kraft alle Bauern und Bewohner des Ortes in wilde Brunst: Tiere wie Menschen, Männer wie Frauen, bis hin zu Ratten und Katzen.
— (Rabelais, Drittes Buch, Kap. XXVII,)

Mit Humor und Spott wird das Lachen bei Rabelais zu einer Waffe gegen das, was man nicht vernichten kann: die Heuchelei der Mönche, die Scheinbildung der Sorbonagres (eine satirische Bezeichnung für die Doktoren der Sorbonne), die Absurditäten der Scholastik, soziale Ungerechtigkeit und die Torheit der sogenannten Picrocholinischen Kriege – benannt nach den Kapiteln 32 und 33 aus Gargantua.

Der Körper

Im 16. Jahrhundert sprach man offen und ohne Scham über den Körper. Erst die klassischen Autoren des 17. Jahrhunderts verdrängten ihn für lange Zeit aus der Literatur. Wie Montaigne nach ihm behandelt Rabelais den Körper auf eine Weise, die uns heute ungewöhnlich erscheinen mag: In seiner Welt feiern Muskeln, Organe und Eingeweide förmlich ihre eigene Existenz.

Für Rabelais ist das kein Zufall – er glaubte, dass die Seele im Blut wohnt. Es durchströmt den ganzen Körper, von den Zehen bis zur Kopfhaut. Geist und Körper sind untrennbar miteinander verbunden. Wie Montaigne wusste er, dass das eine leidet, wenn das andere krank ist. In der utopischen Abtei von Thélème – seiner idealen Gemeinschaft – werden die Menschen ermutigt, sich regelmäßig zu bewegen und frische Luft zu atmen. Alles soll im Einklang mit körperlicher Erfüllung geschehen.

 

 

Brueghel, Kinderspiele, 1560, Kunsthistorisches Museum, Wien.

Dieses visuelle Verzeichnis von Kinderspielen, nahezu zeitgleich mit Rabelais entstanden, erinnert auf erstaunliche Weise an die berühmte Aufzählung der Spiele im 20. Kapitel von Gargantua.

Le vin

Für Rabelais ist ein Leben ohne „guten, frischen Wein“ undenkbar. So wie das Blut den Körper belebt, ist der Wein eine Quelle des Lebens. Seine Figuren trinken keinen schlechten oder traurigen Wein – sie trinken, um sich zu freuen und das Leben zu feiern:

Plötzlich kam der Mönch und rief vom Tor des Hofes: ‘Frischer Wein! Frischer Wein! Gymnast, mein Freund!’

Durch Rabelais’ Werk zieht sich ein unstillbarer Durst – nach Leben, nach Genuss und nach Wissen. Wein und Wissenschaft entspringen derselben Quelle: der unermüdlichen Neugier. Als Gargantua und seine Gefährten in Paris ankommen, erkundigen sie sich gleichermaßen nach den „Gelehrten“ der Stadt und nach dem besten Wein.

Hatten Rabelais’ große Trinker eine bevorzugte Rebsorte? Offenbar ja: Pineau – der Vorläufer des heutigen Chenin – scheint ihr Favorit gewesen zu sein, wenn man Jean des Entommeures glauben darf:

Ah, lacrima Christi, das kommt aus La Devinière – das ist Pineau-Wein! Oh, was für ein herrlicher Weißwein! Bei meiner Seele, er ist samtig! Seht nur, wie gut er gearbeitet ist – aus feinster Wolle!

Les mots

Rabelais’ Sprache ist nicht die sanfte Flötenmelodie Racines – sie kommt aus dem Bauch. Seine Figuren flüstern nicht, sie schreien, fluchen und schlagen mit der Faust auf den Tisch. Lautes Sprechen gehört bei ihm sogar zur idealen Erziehung, wie in Gargantua beschrieben:

Und um seine Brust und Lungen zu stärken, schrie er wie alle Teufel.

Was den Leser beeindruckt, ist die Vitalität seiner Sprache. Rabelais’ Worte haben Fleisch und Geschmack, aber auch Atem, Kraft und eine explosive Energie – etwa in der fast surrealen Episode der gefrorenen Worte im Vierten Buch, die im Wintereis gefangen sind und beim Auftauen laut knacken.

Rabelais schrieb in einer Zeit, als das Französische sich gerade als gemeinsame und kulturelle Sprache etablierte. Die Rechtschreibung war flexibel, Fremdwörter reichlich, und griechische wie lateinische Neuschöpfungen blühten. Rabelais – später auch Montaigne – verwendete ohne Zögern Ausdrücke aus regionalen Dialekten. Es war eine unglaublich lebendige Epoche der Sprache, in der sich Worte vervielfachten und durch den Buchdruck eine neue Realität erhielten.

 

Veronese, Die Hochzeit zu Kana, 1563. Musée du Louvre, Paris.

Ein Puritaner würde, wenn er könnte, den Wein in Wasser verwandeln.
Jesus hingegen verwandelt Wasser in Wein.

Zur Zeit Rabelais’ betrug der Weinkonsum pro Person etwa zwei Liter pro Tag (Wein mit einem Alkoholgehalt von etwa 7 bis 9 %), und zwar bei Männern, Frauen und sogar Kindern.