Französische Literatur

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Was ändert sich in dieser Zeit ? Vergleichen wir sie mit dem, was vorher war. Wir können uns eine Gesellschaft vorstellen, in der das, was ist, nicht durch das, was sein könnte, in Frage gestellt wird. Eine solche Gesellschaft wäre die des Mittelalters. Sie basiert auf einer Reihe von sehr spezifischen Glaubensvorstellungen und Bräuchen.

Nun aber an der Wende zum 15. Jahrhundert, fangen fast überall in Europa die Menschen an, sich zu fragen: Wir haben es immer so gemacht; aber warum sollten wir es nicht anders machen?

In unseren innovations basierten Gesellschaften ist es schwer vorstellbar, aber damals bedeutete ein Bruch mit der Sitte oft, sich aus der Gemeinschaft auszuschließen. Und damit sind wir bei dem Drama der Renaissance: den Religionskriegen. Anders zu handeln oder anders zu glauben, bedeutet, die etablierte Ordnung in Frage zu stellen. Martin Luthers Kritik führt zu einer neuen religiösen Strömung und zu Konflikten mit der katholischen Religion, die bis ins 18. Jahrhundert andauern werden.

Viel kühner als ihre Vorgänger suchten die Männer und Frauen der Renaissance nach einer Erweiterung ihres geografischen und kulturellen Horizonts. Die Entdeckung einer neuen bewohnten Welt erschütterte ihren Verstand. Es war also auch eine Zeit, in der die Kultur neue Bezüge fand, vor allem in der Antike. Griechische und lateinische Autoren wurden wiederentdeckt, übersetzt oder neu übersetzt, diskutiert und kommentiert. In dieser gewaltvollen Ära wehte ein Wind der Freiheit und des Humanismus.

Ob katholisch oder protestantisch, die Renaissance war von Anfang bis Ende christlich. Aber sie war es auf eine viel kreativere Art und Weise als vorher.

„Was weiss ich ?“ Die sozialen und religiösen Strukturen verändern sich, und die Art und Weise, wie wir lernen und wissen, hat sich verändert. In Italien legt Galilei die Grundlagen der modernen Physik. Die Theologie ist  nicht mehr ganz die Königin der Wissenschaften und Aristoteles die endgültige Autorität in allen philosophischen Fragen. Kurzum, die Bibel und die griechischen Philosophen reichten nicht mehr aus, um die Welt zu deuten.

In dieser Zeit herrscht ein Wissensdurst und ein Wissensrausch, der zum Beispiel bei Rabelais sehr deutlich wird. Wissen heißt aber auch, sich selbst zu kennen: Wie soll man in einer solchen Welt des Umbruchs den Platz des Menschen in der Welt begreifen, wie soll man leben?

Dies sind die Frage, die sich Montaigne stellt. In dieser beginnenden modernen Welt hat das Dasein keine Gebrauchsanweisung…

Die französische Sprache in der Renaissance

Das 16. Jahrhundert war für die Konstituierung der französischen Sprache entscheidend. Zwei wichtige Fakten hierzu:

  • Zunächst wird die französische Sprache mit dem Edikt von Villers-Cotterêts zur alleinigen Urkunden- und Verwaltungssprache in Frankreich erhoben. Allmählich setzt sie sich auch in technischen Werken durch.
  • Andererseits kennt das Jahrhundert große Latinisten und Hellenisten wie Erasmus oder Rabelais, die ausgehend von einem griechischen oder lateinischen Ursprung viele Wörter für das Französische kreieren.

Mit anderen Worten: Das klassische Latein genießt großes Ansehen, aber gleichzeitig gewinnt das Französische immermehr an Bedeutung, wie Joachim du Bellays Deffence, et illustration de la langue francoise (1549) zeigt. Es ist notwendig, die französische Sprache zu verteidigen und zu neue Werke zu schaffen, ja, aber welche?

Das ist es, was den heutigen Leser vor den Texten der Renaissance manchmal verunsichert: jeder Autor scheint nicht nur seinen eigenen Stil, sondern auch seine eigene Sprache zu haben, zu der er steht (wie Maurice Scève) oder für die er den Anschein gibt, sich zu entschuldigen  (Montaigne und seine Gaskonismen). In der Tat versuchen die Schriftsteller, eine neue Norm zu definieren, nicht indem sie Zugeständnisse machen, sondern indem sie ihre Position, ihre Art zu schreiben, zeigen.