Von Anfang an war die Romantik von Tragik geprägt. In der Überzeugung, dass seine Liebe unmöglich sei, begeht Werther Selbstmord – und der emotionale Schock geht durch ganz Europa (Die Leiden des jungen Werther, Goethe, 1774). Selbstmord aus Liebe? Das bedeutete, Gefühle sehr ernst zu nehmen. In einer Rede aus dem Jahr 1824 warf die Académie Française den Romantikern vor, dass sie nicht fröhlich genug seien, ständig schmollen würden und „nur im Unglück und Leid Poesie finden würden”.
Die romantische Seele weigert sich, sich in etwas Greifbarem zu verwurzeln. Das Leben selbst ist nie genug:
Erhebt euch rasch, erträumte Stürme, die René in ein anderes Leben hinwegtragen sollen…
– Chateaubriand, René (1802)
Die Betrachtung der Natur ruft sowohl einen Traum von Verschmelzung als auch ein Gefühl der Einsamkeit hervor: „Es gibt nichts Gemeinsames zwischen der Erde und mir”,klagt Lamartine in Méditations poétiques (1820).
Romantiker schweben in luftigen Höhen und kämpfen mit der Realität. Liebe existiert für sie oft in einem nebulösen Zustand, getragen von Musik und flüchtigen Blicken. Alfred de Musset und George Sand, eines der symbolträchtigen Paare der Bewegung, reisten in leidenschaftlicher Ekstase nach Venedig, kehrten jedoch unversöhnlich entfremdet zurück.
Doch die Romantik trägt den Keim ihrer eigenen Kritik in sich. Stendhal und George Sand zögerten nicht, sich über ihre eigenen Schwächen oder die ihrer Zeitgenossen lustig zu machen – manchmal mürrisch, prätentiös oder theatralisch verliebt, wie Mathilde de la Mole in Rot und Schwarz.